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Anmerkung der Redaktion: Wir haben die dramatischen Veränderungen in bestimmten Branchen verfolgt und was sie für Unternehmer bedeuten, einschließlich Musikunternehmer. Ein zunehmender Trend besteht darin, dass Musiker sich dafür entscheiden, unabhängig zu bleiben und ihre eigenen Werke zu vermarkten, anstatt sich bei großen Plattenfirmen zu unterzeichnen. Mit großem Interesse präsentieren wir daher diese Gastbeitrag von Jason Feinberg über das neue Geschäftsmodell für Musiker.

Von Jason Feinberg

Ein Trend ist oft am faszinierendsten, wenn er den traditionellen Denkweisen einer Branche zuwiderläuft.

Aufstrebende Künstler finden in der Musikbranche großen Erfolg, wenn sie das genaue Gegenteil von traditionellen Praktiken tun. Anstatt ihre Musik zu verkaufen, verschenken sie sie - völlig kostenlos - im Internet.

Die Musikindustrie sucht seit fast einem Jahrzehnt nach Wegen, wie mit Musik über das Internet vertrieben werden kann. Während des Großteils dieser Zeit hatten die meisten größeren Plattenlabels ein starkes Verhalten dagegen, Musik zu beliebigen Zwecken im Internet zu platzieren - sei es für Verkauf, Marketing oder Werbeaktionen.

Alle Bemühungen dieser Unternehmen konzentrierten sich auf das Schließen von Websites und Softwareunternehmen, die Musik zur Verfügung stellen. Die meisten ihrer Bemühungen waren letztendlich vergeblich, da sie mit dem rasanten Tempo des Wachstums und der Expansion des Internets einfach nicht Schritt halten konnten.

Kleinere Plattenlabels hatten unterschiedliche Strategien, um ihre Musik online zu verwalten. Einige versuchten, die aufkommende Internettechnologie anzunehmen, indem sie ihre Musik verfügbar machten, während andere das Internet nicht für mehr als nur einfache Webseiten verwenden wollten.

Als immer mehr Unternehmen die Möglichkeiten des Internets einschätzten, erkannten viele Akteure der Branche, dass die Bekämpfung der Online-Verbreitung von Musik ein sinnloser Kampf war. Musikfans speichern, teilen und kaufen Musik online mit exponentiell wachsender Geschwindigkeit. Es gab keine Möglichkeit, es zu vermeiden - die Industrie musste lediglich einen Weg finden, um es zu kontrollieren.

Zu diesem Zeitpunkt war es ziemlich klar, dass die Verbraucher ihre Musik auf ihren Computern und tragbaren Geräten haben wollten; es wurde auch offensichtlich, dass sie sich rasch mit neuen Technologien und Vertriebsmethoden auseinandersetzten. Daraus ergab sich eine enorme Chance für Musiker, die noch bei keiner dieser Plattenfirmen unter Vertrag standen.

Anstatt die Konsumenten dazu zu zwingen, für die Rechte zu bezahlen, die Musik eines Künstlers (die traditionelle Praxis) zu besitzen und ihnen zuzuhören, begannen unabhängige Musiker, ihre Musik kostenlos mit der Hoffnung zu teilen, ein Bewusstsein für ihre Kunst zu schaffen und sich für sich selbst zu interessieren.

Websites wie MySpace und MP3.com bieten nun einen zentralen Ort, an dem Künstler ihre Musik kostenlos verteilen können. Diese Seiten haben sich als äußerst erfolgreich erwiesen. MySpace hat über 12 Millionen Benutzer und wächst schnell. Websites wie diese bieten unabhängigen Künstlern die Möglichkeit, potenzielle Fans zu erreichen, die bisher nur denjenigen zugänglich waren, die bei einer Plattenfirma mit einem Marketing- und Promotionsbudget unterschrieben waren.

Der ultimative Vorteil dieser selbstfinanzierten Künstler ist, dass die durch diese Geschäftspraxis geschaffenen CD-Verkäufe eine deutlich höhere Gewinnspanne haben als ein strukturiertes Plattenlabel. Labels geben enorme Mengen an Geld für Marketing, Promotion und Vertrieb ihres Produkts aus, die allesamt ihren Profit auffressen.

Normalerweise kann ein Künstler, der bei einem Plattenlabel unterschrieben ist, pro verkaufter CD einen Dollar (US-Dollar) einbringen - und das erst, nachdem das Label seine Ausgaben erstattet hat. Ein unabhängiger Künstler, der kostenlose Werbetechniken verwendet, kann bis zu zwölf US-Dollar Gewinn pro CD erzielen .

Es ist diese einfache Mathematik, die viele Musiker dazu inspiriert hat, den traditionellen Weg des Unterzeichnens bei einer Plattenfirma zu ignorieren, um alles alleine zu tun.

Da Plattenlabels neue Wege beschreiten, um das Internet als Instrument zur Verbreitung von Musik sowohl zu bekämpfen als auch zu nutzen, profitieren unabhängige Künstler weiterhin von dem neuen Trend der freien Eigenwerbung. Da sich immer mehr Internetseiten der Bekanntheit dieser Künstler verschreiben, wird ein völlig neues Geschäftsmodell für die gesamte Branche entwickelt.

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Jason Feinberg ist Präsident und CEO der On Target Media Group, einer Marketingfirma der Musikindustrie, die sich auf Internet- und New Media-Werbung spezialisiert hat. Er ist auch Autor des Music Business Blog, eines Online-Journals, das sich auf aktuelle Trends und Themen der Musikbranche konzentriert.


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